Lebenslauf des Chorverbandes Elsenzgau in Kurzfassung

von Günther Gruner

 

Im Gegensatz zu anderen nordbadischen Sängerkreisen (Badisch Franken und Mosbach) die auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken können, ist unser Sängerkreis in seiner jetzigen geografischen Ausdehnung noch jung an Lebensjahren.

In kurzer Fassung soll den Mitgliedern und dem interessierten Leser nachstehend das Werden und die Geschichte bis in die heutige Gegenwart aufgezeichnet werden. Trotzdem soll die Niederschrift der Übersichtlichkeit wegen nur die prägnantesten Geschehnisse wiedergeben, die Jahre nach dem 2. Weltkrieg nur in Kurzfassung, weil zahlreiche Einzelheiten der „Neuzeit“ noch in guter Erinnerung sind.

 

Die Geburtsstunde des „Elsenzgau-Sängerbundes“ geht zurück auf das Jahr 1921. Auf Veranlassung des Meckesheimer Lehrers Lohnert fand in diesem Jahr in Eschelbronn die konstituirende Gründungsversammlung statt. Auch in den Jahren davor mögen lose Verbindungen einzelner Vereine zueinander bestanden haben, zu einem nennenswerten Verband ist es aber nicht gekommen.

Die Anwesenden Vereinsvertreter wählten in Eschelbronn zum

1. Vorsitzenden

Adam Steiß, Eschelbronn

Schriftführer

J. P. Lohnert, Meckesheim

Gaurechner 

Joh. Ohlhäuser, Meckesheim

Philipp Vielhauer, Eppingen

1. Vorsitzender

Hermann Faller, Eppingen

Schriftführer

Hermann Zaiß, Eppingen

Rechner

Ziegler, Heidelberg-Kirchheim

Gauchormeister

Nach einem Verzeichnis vom 1. Januar 1921 gehörten 37 Vereine dem Elsenzgau-Sänger-bund an, darunter Bammental, Gauangelloch, Mauer, Reilsheim, Spechbach, Schluchtern u.a. Schon 1922 erfolgte der Beitritt zum Badischen Sängerbund, dessen Gründung auf das Jahr 1862 zurückgeht. Als Sitz dieses Sängerkreises wird Meckesheim festgelegt.


1922 wird Hauptlehrer H. Embser aus Zuzenhausen zum Gaudirigenten gewählt. Erste Gau-sängerfeste finden 1923 statt. Wegen der räumlich relativ großen Ausdehnung in Eppingen und Bammental. Aus dem gleichen Grund wurde im selben Jahr der Gau in zwei Gruppen um die beiden vorgenannten Orte aufgeteilt. Erste Wertungsrichter waren die Herren Otto Autenrieth, Heidelberg und Ernst Götze, Pforzheim.


1924 fand die Hauptversammlung in Sinsheim statt. Hier wurden als Gaudirigent Lehrer Behringer aus Steinsfurt und als dessen Stellvertreter Robert Meny aus Richen gewählt.    Als neues Mitglied wird Schönau (Odenwald) aufgenommen.


Besondere Vorkommnisse waren es, die 1926 einen außerordentliche Versammlung in Steinsfurt erforderten. Es wird über unhaltbare Zustände in der Gauleitung und deren finanzielle Verfehlungen berichtet. Geld sei veruntreut worden und unbezahlte Rechnungen werden von den Gläubigern angemahnt. Der bisherigen Vorstandschaft wird deshalb das Vertrauen entzogen, eine neue gewählt. Sie setzt sich zusammen aus den Herren:

1929 tritt Neckargemünd dem Gau bei und 1932 tritt Schönau aus, weil es sich mit der Wertung beim Gausängerfest in Neckargemünd nicht abfinden konnte.


Ein neuer Abschnitt beginnt am 9.7.1933 bei der Versammlung in Sinsheim.

„Gleichschaltung“ ist in jenen Tagen zu einem Begriff geworden, der von der Hauptversammlung des Badischen Sängerbundes in Tauberbischofsheim ausging. Den Vereinsvorsitzenden musste von der NSDAP eine weiße Weste bescheinigt werden, was bei der Vorstandschaft folgende Auswirkungen hatte:

1. Vorsitzender

Philipp Vielhauer, Eppingen

2. Vorsitzender

Hermann Faller, Eppingen

Schriftführer

Robert Höger, Eppingen

Im Oktober 1933 fand in Berwangen eine nationale Kundgebung der Sängerbewegung statt, bei der der neue Bundesführer des Badischen Sängerbundes zugegen war. Ein neuer Chorstil, der damaligen Zeit angepasst, hielt Einzug.

Wiederum in Sinsheim im Jahre 1934 wurde eine Neuordnung vorgenommen. Der Bezirk „Elsenz“ im Kreis Heidelberg wurde geschaffen. Die Gruppe Süd erstreckte sich von Eppingen bis Steinsfurt, die Gruppe Mitte bis Hoffenheim und die Gruppe Nord bis Neckar-gemünd. „Kreisleiter“ ist nunmehr ein Herr Kaufmann aus Heidelberg, „Bezirksführer“ Philipp Vielhauer aus Eppingen und Kreischormeister Dr. Henn aus Heidelberg. Das Preis-singen wurde verboten, dafür wurde ein Gauwanderpreis eingeführt.

Im Jahre 1935 wurde der Sängerkreis stillschweigend aufgelöst. Weitere Aufzeichnungen liegen bis zm Jahre 1947, dem Wiederbeginn, nicht mehr vor.

 

Eintracht und Frohsinn Eppingen ergreifen im Februar 1947 die Initiative zur Neugründung. Zum Sitz des neuen Sängerkreises wurde Eppingen bestimmt. Als erste Nachkriegsvorstandschaft werden gewählt:

1. Vorsitzender

Emil Ziegler, Eppingen

2. Vorsitzender

Heinrich Dieffenbacher, Eppingen

Schriftführer

Alois Frank, Eppingen

Rechner

Ernst Stumpf, Eppingen

Gauchorleiter

Robert Meny, Richen

Stellv. Gauchorleiter

Adam Kachel, Eppingen

1 Jahr darauf 

Otto Keitel, Reihen

Beisitzer

August Moser, Berwangen

 

Eugen Mühling, Richen

Der Neubeginn erfolgte mit 34 Vereinen und der etwa heute noch bestehenden geografischen Ausdehnung. Bei der Hauptversammlung 1951 in Eppingen wird Hermann Faller aus Eppingen 1. Vorsitzender und 1952 wird bei der HV in Eschelbronn August Scholl aus Neckar-bischofsheim 2. Vorsitzender.

 

Eine Wachablösung vollzieht sich 1953 in Eschelbach in der geschäftsführenden Vorstandschaft. Die folgenden zwei Jahrzehnte dürfen als Ära „Stoll – Zipf“ in die Geschichte unseres Sängerkreises Elsenzgau eingehen. Das gesangliche Leistungsniveau erreichte einen Höhepunkt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Kreisvereine war lobenswert. Kreisliedersingen werden durchgeführt, die Teilnahme an Liederfesten des Badischen Sängerbundes in Karls-ruhe ist Selbstverständlichkeit.

Dank Unterstützung des Landkreises konnte ein Kreisliederheft entstehen. Idealisten in der Vorstandschaft und draußen bei den Vereinen haben dem Sängerkreis weit über seine Grenzen hinaus zu Ansehen verholfen.


Die 2. Wachablösung hat bei der Jahreshauptversammlung 1974 in Adelshofen stattgefunden, als Reinhold Stoll und Oskar Barth, zwei Jahre später Wilmar Zipf und Robert Höger, aus Altersgründen die Führung in jüngere Hände zurückgaben. Nachdem noch einige Ergänzungswahlen stattgefunden haben, setzt sich die derzeitige Vorstandschaft wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender

Waldemar Michelmichel, Ittlingen

2. Vorsitzender

Wolfgang Karl, Grombach

Schriftführer

Günther Gruner, Richen

Schatzmeister 

Lothar Auchter, Eppingen

Kreischorleiter 

Heinz Funk, Epfenbach

Stellv. Kreischorleiter 

Lothar Freiburg, Neckarbischofsheim

Jugend-  und Pressereferent

Odin Schier, Steinsfurt

Frauenvertreterin 

Christa Bulla, Dühren

 

 

Beisitzer  

Gerhard Fleck, Reihen (Gruppe Nord)

 

Manfred Gobernatz, Neidenstein (Gruppe Ost)

 

Reinhold Maier, Elsenz (Gruppe Süd)

 

 

Musikausschuß  

Alois Bergold, Eppingen und Fritz Kachel, Gemmingen (Süd)

 

Paul Fleckenstein, Dühren und Herbert Keitel, Reihen (Nord)

 

Pirmin Louis, Waibstadt und Jürgen Schlör, Obergimpern (Ost)

Dem Sängerkreis gehören in den drei Gruppen Süd, Nord und Ost 43 Vereine mit 2600 Sängern und Sängerinnen an.

Erstmals in der 115jährigen Geschichte des Badischen Sängerbundes findet dessen Jahreshauptversammlung 1977 in unserem Sängerkreis, in Sinsheim, statt.

 

Dieser vorstehend aufgezeichnete Sängerkreis-Lebenslauf erhebt keinen Anspruch auf terminierte Einzelheiten, er soll aber den Weg vom Werden bis in die Gegenwart wach halten.

 

Januar 1978                                                              

Waldemar Michelmichel

 

Chorverband Elsenzgau e.V.